Antennenfernsehen, zurück zu alten Zeiten

Zum Blog und zu den Artikeln gibt es eine Einleitung. Bitte lesen Sie diese zuerst. Zur Einleitung

Alles ist umgestellt, das Alte hat ausgedient. Ein neues Sendeformat wird uns verordnet, wir machen mit. Schärfer und schöner soll nun alles sein. Nicht neu hingegen ist die Abschaltung des Gewohnten und die Einführung von etwas Neuem. Die Wirtschaft freut sich. Wer kein aktuelles Gerät hat der kauft etwas neues, oder muss sich zumindest ein Zusatzgerät besorgen.

Und nun endlich, nach über 30 Jahren, haben es die Privatsender geschafft, ihre Sendungen zu verschlüsseln. Aus die Maus. Wer bunte Bilder sehen will, der muss nun zahlen. Zahlen, für den gleichen Inhalt wie vorher. Inklusive Werbung.


Das muss man natürlich nicht tun. Und so mache ich den Schritt zurück. Öffentlich-Rechtlich heißt das Zauberwort und erinnert mich sofort an alte Zeiten. Das Erste, das Zweite, das Dritte, damit war das gesamte Spektrum damals abgedeckt. Großartige Kopfarbeit brauchte man nicht verrichten. Die Entscheidung zwischen zwei Programmen fiel einigermaßen leicht. Werbung gab es auch, aber nicht so penetrant wie heute. Die Fernsehzeitung war schmal und handlich. Und irgendwann erschien das Testbild. Eine minimale Änderung gibt es also doch. Heute kann ich mehr als nur 3 Programme sehen. Eben auch etliche regionale Sender-Angebote. Und das rund um die Uhr.


Verlust? Nein, der ist nicht entstanden. Eher ist daraus ein Gewinn entstanden. Die Entscheidung mir einen Film anzusehen, der zwar nur anderthalb Stunden dauert, aber bis in die Zeit vor Mitternacht mit unendlich vielen Werbeblöcken gespickt und dadurch künstlich verlängert wird, oder auf das öffentliche Programm zuzugreifen, diese Entscheidung ist mir genommen worden. Mit den entsprechenden positiven Ergebnissen. Die Werbezeit ist nun drastisch reduziert. Ich schaffe es nun, vor halb 11 Uhr ins Bett. Mein Aufnahmegerät ist deutlich entlastet, da ich nichts mehr aus dem privaten Angebot speichern kann. Das nämlich musste ich tun, weil, wie schon beschrieben, jeder noch so banale Film bis in die Unendlichkeit verlängert wurde.


Man könnte also durchaus von einem gesundheitlichen Gewinn sprechen. Und von einem geistigen. Denn ich halte alle von den Privatsendern selbst produzierten Serien und Sendungen für eine ausgemachte Volksverblödung. Inklusive der amerikanisierten Nachrichten, die für mich stets den Eindruck vermittelten, es handle sich hierbei um ein unseriöse Werbemaschine. Was übrig bleibt sind oftmals Filme, die entweder alt sind, oder aber zum 10 Mal ausgestrahlt werden.

Der zeitliche Gewinn dringt erst jetzt in mein Leben. Die Formel Eins zum Beispiel, das war schon etwas, was ich mir antat. Auch Boxen fand ich gut. Oder nein, eigentlich auch nicht, wenn zwischen den Runden jede freie Sekunde mit Werbung verkleistert wurde. Egal, vorbei. Ich vermisse nichts. Dafür habe ich nun mehr Kultur und Sachbeiträge.


Das hätte ich doch auch alles vorher schon haben können, wird so mancher nun sagen. Ja, das stimmt. Aber ist der Flimmerkasten erst mal an und die Tierparksendung mag man nicht sehen, dann schaltet man durch und landet doch beim Privatfernsehen. Oder abends, wenn der ARD-Film beendet ist, dann landet man im Werbeblock bei den Privaten. Weil da ja noch ein Film läuft. Den hat man zwar schon 5 mal gesehen, aber man ist noch nicht müde.


Schön blöd ist man da. Eben Mensch. Dennoch, zu meiner Ehrenrettung, muss ich sagen, schon 12 Monate vor der Umstellung habe ich mir das Privatfernsehen abgewöhnt. Ein Lernprozess gab es also. Und dieser wird nun gekrönt mit dem bewussten Verzicht.


Also, alles gut, alles entspannt. Zurück in alte Zeiten. Mehr Zeit, mehr Bildung, mehr Gelassenheit, weniger Speicherplatz. Das ist doch eine ganze Menge.

Kommentare