Bundespräsident Wulff und die Erkenntnisse daraus

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Da ist was los im Staate. Herr Wulff, der alles ganz normal findet. Ein Herr Braun, der als Notar alles richtig gemacht hat und trotzdem geht. Ein Herr Döring, der beim Autofahren einen verschleierten Fehler gemacht haben soll. Ein Herr Glaeseker, der offensichtlich auch was falsch gemacht hat und im Schlepptau Herrn Hagebölling gleich mit auf die Anklagebank bringt. Ein Herr Guttenberg, der sich trotz Fehler nach Brüssel emporschwingt. Eine Frau Koch-Mehrin, die alles nicht wahr haben will. Piraten, die Angehörige einstellen, weil die Gelegenheit günstig ist. Die Liste ließe sich fortsetzen. Hinzu kommen noch einige Anträge zur Aufhebung der Immunität gegen weitere Herren und Damen der Polit-Welt. Das alles allein in einem Zeitraum von nur 12 Monaten. Davor hat aber auch schon der Kanzler Schröder mit Adoptionen kleiner, niedlicher russischer Kinder gezeigt, wie man behördliche Hindernisse geschickt umschifft und den Amtsstatus zu seinen eigen Gunsten gebraucht.

Jeder bekommt, was er verdient. So lautet ein Spruch. Er ist so treffend, wie nie zuvor. Das Volk wählt seine Führer und bekommt den Spiegel vorgehalten. Warum sollte die Politik ein anderes Bild abgeben als der Wähler selbst? Am besten lässt sich das am Berliner Kurzzeit-Senator Braun erkennen. Ohne ausholen zu wollen, es ging um Schrott-Immobilien und die zugehörige notarielle Arbeit. Herr Braun wird moralisch angeklagt. Von den Betrogenen. Doch, wer ist eigentlich der Betrüger? Hier wurden Menschen abends durch die Stadt zum Notar gebracht, dem sie auswendig gelernte Antworten geben sollten. Ansonsten könnten sie dieses Geschäft nicht abwickeln. In der Erwartung, das Schnäppchen des Lebens zu machen, in dem man die Unwahrheit sagt, spielten sie mit und waren am Ende selbst die Betrogenen. Ein Richter müsste eigentlich sagen: Pech gehabt!

Geiz ist geil, sagt uns die Werbung. Und gibt es etwas für weniger Geld wird gelogen, geschummelt und betrogen, was das Zeug hält. Oder wird etwas vom Staat verlangt, wird die eigene Lebenssituation schon mal so dargestellt, wie es für ein Erfolg der Forderung am besten passt. An der Wahrheit vorbei. Und die Betrüger haben meist weder Skrupel noch ein schlechtes Gewissen. In Ping-Pong-Manier lässt sich das Vorbild ja wunderbar hin-und herschieben. Genau das macht eben ein Politiker auch.

Wir regen uns über die Tröpfchenweise verstreute Information auf. Und das ist das eigentliche Übel. Im Land der Waschlappen wurde die Aufrichtigkeit verlernt. Stets sind die Anderen schuld. Das machen wir alle so. Wer sagt schon nach der Geschwindigkeitsübertretung: Ja, ich bin zu schnell gefahren, her mit der Strafe.? Nein, wir streiten ab und wehren uns so lange es geht. Genau das tun die Politiker nun auch.

Also Freispruch für die Politiker? Nein, natürlich nicht. Denn von ihnen erwarten wir etwas anderes. Und ausgerechnet das, was uns sonst an diesen Menschen nervt, kommt uns nun zu Hilfe. Die Karriere-Geilheit. Gerade bei Herrn Wulff kann man von gezielter Planung aller Schritte zum Karriereausbau ausgehen. Wer oben mitspielen möchte, muß die Regeln kennen. Er muss wissen, was später einmal gefragt wird. Ansonsten kann er diesen Job nicht machen. In so fern beherrscht Herr Wulff das Spiel nicht und sollte schon deshalb nicht mehr daran teil nehmen dürfen.

Auch die von ihm als Argument eingebrachte Menschlichkeit hilft nicht als Rechtfertigung. Denn die wichtigste Frage wurde übersprungen. Hat man ihn körperlich oder seelisch gezwungen, die vorgeworfenen Aktionen zu tun? Musste er sich so verhalten? Ein klares Nein kann nur die Antwort sein.

Wir erwarten Vorbildfunktion. Und dieses Vorbild wird am Gesetzgeber selbst festgemacht. Wer als Angestellter einen Getränke-Pfandschein im Wert von 15 Cent auf dem Parkplatz findet und ihn einlöst, dem wird das Vertrauen abgesprochen. Auch das Gericht sieht das so und stimmt der Entlassung zu. Der Bundespräsident aber darf alles. Für ihn gelten Gesetze scheinbar nicht. So könnte man meinen, und so wird es auch dargestellt.

Wulff muß nach den eigenen Regeln aus dem Amt entfernt werden. Alles Andere ist zweierlei Maß. Die Zeiten der Politiker, die etwas ändern wollen, die an der Gesellschaft mitbauen wollen, die Beruf als Berufung sehen, diese Zeiten sind vorbei. Wir werden also mit diesen Menschen leben müssen. Trotzdem haben wir die Wahl. Es ist unsere Aufgabe, die wenigen Korrekten herauszufiltern und den Rest zu demontieren. Obwohl ich kein Freund des Ostens bin, aber irgendwie muss Frau Merkel wohl was richtig gemacht haben. Bisher jedenfalls ist ihr Leumund einwandfrei. Dabei sollte man bleiben.

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